Gerlinde Sämann
Die blinde Sopranistin Gerlinde Sämann wurde 1969 in Nürnberg geboren.
Sie studierte am Richard-Strauss-Konservatorium in München Klavier und Gesang und arbeitete mit Lehrern wie Karl-Heinz Jarius, Henriette Meyer-Ravenstein und Selma Aykan.
Ausserdem absolvierte sie eine Ausbildung zur Atemtherapeutin nach Ilse Middendorf.
Ihr Repertoire reicht von Musik des Mittelalters und der Renaissance, des Barock und der Klassik über Lied und Oratorium auch der romantischen Epoche bis hin zu Avantgarde und zeitgenössischem Musiktheater, wobei ein gewisser Schwerpunkt auf der Musik des Barock liegt, für die ihre schlanke und bewegliche Stimme ausgezeichnet geeignet ist.
Mit großer Intensität gestaltet Gerlinde Sämann auch ausgefallene Lied- und Duoprogramme, beispielsweise mit dem renomierten Fortepianisten Ronald Brautigam, sowie anderen Liedbegleitern, wie Hans Adolfsen.
Seit 1991 arbeitet die Künstlerin solistisch mit verschiedensten Chören und Gruppen vorrangig der Alten Musik zusammen: Mit dem Dresdner Kreuzchor, dem Choeur de Chambre Accentus, Arsyis Bourgogne, dem Mittelalter-Ensemble Estampie, Armonico Tributo Austria, der Himmlischen Cantorey, Sette Voci, Akademie für alte Musik Berlin und anderen. Zahlreiche Solo-Bachkantaten sang sie mit dem Ensemble La petite bande unter Sigiswald Kuijken, mit dem sie im Frühjahr 2009 auch in der Matthäus-Passion von J.S.Bach zu hören sein wird.
Daneben stand sie in den letzten Jahren auch vermehrt auf der Opernbühne, wo sie mit einigen Regisseuren für Oper und zeitgenössisches Musiktheater zusammenarbeitete, beispielsweise mit Arila Siegert, Gil Mehmert, Sabine Hasz, Thomas Höft, Chrescencia Dünser und Otto Kukla. So war sie etwa 2007 in Peter Steins 'Wallenstein' (Berliner Ensemble) zu hören.
Häufig ist die Sängerin auch auf bekannten Festivals zu Gast, wie der Styriarte, Festival Oude Muziek Utrecht, Festival Van Vlaanderen Gent, La folle journée de Nantes, Festa da Musica Lissabon, Festival de Vezelay Bourgogne etcetera.
Was die besondere Qualität von Gerlinde Sämann als Sängerin ausmacht, ist sicherlich ihre flexible und feinsinnige Musikalität, welche zu sehr sensiblen Interpretationen führt, die sich vielleicht gerade wegen ihres fehlenden Augenlichts durch eine spezielle und ungewöhnliche Palette an Klangnuancen auszeichnen.
Zahlreiche Radioaufnahmen und CDs, auf denen die Sopranistin zu hören ist, sind im In- und Ausland erschienen.
SONUS über Gerlinde Sämann:
Der Sopran Gerlinde Sämanns fasziniert einerseits durch die unglaubliche Leichtigkeit, mit der sie durch Koloraturen und Verzierungen flitzt, andererseits aber auch durch seine wunderbare Geradheit. Diese wirkt jedoch nicht knabenhaft, da ihr ein strahlender, keineswegs metallischer, sondern sehr warmer Glanz zu eigen ist, der sich bruchlos auch bis in Extremlagen zieht.
Daneben gewinnt man als Hörer unwillkürlich den Eindruck einer oft atembenehmenden Innerlichkeit, die sich etwa in perfekt auf Text und Musik abgestimmten Spannungslinien hin zum Höhepunkt einer Phrase und zurück zu deren Ende äußert, aber auch in emotional höchst eindrücklich gestalteten Einzeltönen; selbst wenn diese nur so kurz sind, dass man sie kaum bewusst wahrnehmen kann. So klingt bei Gerlindes Gesang oft das Gefühl einer emotionalen Berührtheit in den Hörern nach.
Hörproben
Georg Friedrich Händel: Arie aus 'Alexander`s Feast'
Henry Purcell: Music for a while
Johann Sebastian Bach: Genügsamkeit
Johann Sebastian Bach: Ich bin ein guter Hirt, BWV 85
Choral: Der Herr ist mein getreuer Hirt
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