Bruce Dickey
Bruce Dickey ist einer der wenigen Musiker auf der Welt, die sich der Wiederbelebung eines der faszinierendsten Instrumente der Musikgeschichte verschrieben haben: Des Zinken.
Einstmals das Instrument großer und hochgeschätzter Virtuosen, geriet der Zink im 19. Jahrhundert bedauerlicherweise in Vergessenheit. Sein Revival begann in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, doch es ist zu großen Teilen Bruce Dickey zu verdanken, dass dieses Instrument vom Ende der 70er Jahre an eine neue Renaissance erlebte, in seiner ganzen Beweglichkeit und Ausdrucksstärke wieder hörbar wurde. Auch Dickeys zahlreiche Studenten aus über 30 Jahren Lehrtätigkeit an der Schola Cantorum Basiliensis trugen dazu bei, den Zink im Musikleben wieder zu verbreiten und zu etablieren.
Für diese Leistung verlieh die Historic Brass Society ihm im Jahr 2000 den begehrten Christopher Monk Award für „seine monumentalen Erkenntnisse hinsichtlich der Spielpraxis des Zink, historischen Aufführungspraxis und musikwissenschaftlichen Ausbildung“.
2007 wurde er von dem britischen Dirigenten und Wissenschaftler Andrew Parrott mit einem Taverner Award ausgezeichnet, als einer von bislang nur 14 Musikern deren „bemerkenswerte Beiträge zum musikalischen Verständnis weder vom Kommerz noch vom Ego motiviert sind“.
Im Laufe seiner langen Karriere auf dem Konzertpodium und im Aufnahmestudio arbeitete Bruce Dickey mit den meisten der führenden Köpfe im Bereich der Alten Musik zusammen; darunter die legendären Pioniere der historischen Aufführungspraxis Gustav Leonhardt, Frans Brüggen und Nikolaus Harnoncourt. Mehr als zehn Jahre war er Mitglied von Jordi Savalls Hesperion XX, arbeitete aber auch immer wieder mit Musikern wie Ton Koopman, Monica Huggett, Philippe Herreweghe und vielen anderen zusammen. Von besonderer Bedeutung war auch seine langjährige Freundschaft und Zusammenarbeit mit Andrew Parrott und - in den letzten Jahren - mit Konrad Junghänel.
Bruce Dickey ist auf unzähligen Aufnahmen zu hören. Seine Solo-CD (Quel lascivissimo cornetto...) mit dem Ensemble Tragicomedia beim Label Accent wurde unter anderem mit dem Diapason D’Or ausgezeichnet.
Neben seiner Arbeit als konzertierender Musiker ist Bruce Dickey auch als Lehrer sehr gefragt - sowohl für Zink, als auch für die Aufführungspraxis des 17. Jahrhunderts. Außer seiner langjährigen Tätigkeit an der Schola Cantorum in Basel unterrichtete er unter anderem am Königlichen Konservatorium Den Haag, der Accademia Chigiana in Siena und am Early Music Institute der Indiana University; daneben gab er Meisterklassen in den USA, Kanada, Europa und Japan.
Auch in der wissenschaftlichen Erforschung aufführungspraktischer Fragen ist er aktiv und veröffentlichte zusammen mit Michael Collver einen Katalog des bis heute erhaltenen Repertoires für den Zinken, sowie zusammen mit Edward Tarr ein Buch über die Artikulation auf historischen Blasinstrumenten.
1997 gründete er zusammen mit seiner Frau, Candace Smith, die Artemisia Editions, einen kleinen Verlag, der Musik aus italienischen Konventen des 17. Jahrhunderts herausgibt.
Im Jahr 1981 zog der Amerikaner nach Italien um - nicht zuletzt, um näher bei den Originalen und den Quellenmaterialien für sein Instrument und dessen Musik zu sein. Inzwischen lebt Bruce Dickey mit Frau und Tochter in einem von Weinbergen umgebenen Landhaus in der Nähe von Bologna, dem Zuhause des historischen Concerto Palatino.
SONUS über Bruce Dickey:
Wer jemals eine Solo-Diminution für Zink mit Bruce Dickey gehört hat, wird dieses Erlebnis vermutlich nicht mehr vergessen: Die unglauliche Virtuosität, gepaart mit feinster musikalischer Gestaltung auch in kleinesten Linien, mit ausgefeiltesten Verzierungen, sowie brillanter Technik - sowohl manuell, als auch in Ansatz und Luftgebung.
Sein Ton ist klar und glanzvoll, aber mit einem kleinen seidenmatten Schimmer versehen und erinnert somit - wie es dem Zink ja historisch zukam - sehr an eine menschliche Stimme; sei es ein strahlender Knabensopran oder eine ungeheuer bewegliche, gut fokussierte Sopranistin.
Hörproben
Per dolor (nach Tromboncino)
Palestrina/Giovanni Battista Bovicelli: Io Son Ferito Ahi Lasso, Madrigale Passeggiato
Pavana e Gagliarda 'della Traditora'
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